Interview vom 25.5.2017

 

 

Veranstalterin und Yoga Lehrerin Simone Hänel

Geister, Gemeinschaft und Yoga - Das "Spirit of Nature" Festival in der Fränkischen Schweiz

 

Zum dritten Mal findet heuer das "Spirit of Nature", ein Yoga-Festival, in der Fränkischen Schweiz statt. Die Veranstalterin im Interview.

 

Plankenfels - In einem Baumhaus knie ich auf einer Matte, den Oberkörper schräg nach vorne gelehnt. Ich versuche mich wie mir angewiesen, auf meinen Atem zu konzentrieren, ihn in mein Herz und in die Dehnung fließen zu lassen; auch um zu vergessen, wie verkrampft ich vermutlich aussehe. Mein Hintern kommt nicht so weit runter zu den Fersen, wie er es vermutlich sollte. Es spannt. Zwar irgendwie positiv, aber es spannt.

Das sei völlig in Ordnung. "Es ist schwer, das Leistungsdenken abzulegen", sagt Yoga-Lehrerin Simone Hänel. Sie selbst hat den Leistungsdruck vor drei Jahren abgelegt, als sie zu ihrem Chef eines Marketingbüros in Bamberg sagte, sie könne ihren Job nicht mehr weitermachen. Seit etwa einem Jahr lebt sie die meiste Zeit in einem Wohnwagen auf dem Acker, auf dem das Baumhaus steht, und lehrt und praktiziert Yoga unter dem Namen Simona Amora in Hollfeld und Bamberg.In der kalten Jahreszeit zieht sie weiter in wärmere Gefilde, etwa nach Bali und Peru.

Der Acker liegt in der Fränkischen Schweiz, in Scherleithen (bei Plankenfels, Landkreis Bayreuth). Hier findet am 2. Juni das "Spirit of Nature", ein Yoga-Festival, statt, das die 31 Jahre alte Wallenfelserin heuer zum dritten Mal organisiert. Es ist stark gewachsen: Zum ersten Fest im Jahr 2015 kamen rund 150 Besucher, das Jahr darauf 200, heuer werden etwa 500 Yoga-Fans erwartet.

In ihrem Wohnwagen reicht Hänel Tee. Eine kleine Kochnische, ein Bett, eine Sitzecke. Bunte Tücher, frisches Obst und Gemüse in Hängekörben, ein Poster von einem Baum im Abendrot. Im Interview sprechen wir über den Geist des Festivals und darüber, was Yoga in ihrem Leben bedeutet.

Bayreuth inFranken: Wann hast du mit dem Yoga angefangen und wie kamst du dazu, selbst zu Lehren?

Simone Hänel: Yoga habe ich zum ersten Mal mit 17 Jahren im Fitness-Studio ausprobiert. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass es mich nicht nur auf körperlicher Ebene verändert, sondern auch auf mentaler. Dass ich mehr zur Ruhe komme, in meiner Mitte bin. Als ich nach Bamberg gezogen bin, habe ich es dann in einem Yoga-Studio intensiv praktiziert. Die Ausbildung in München habe ich gemacht, um mein Wissen zu vertiefen. Gar nicht mit der Intention, unterrichten zu wollen. Das hat sich einfach ergeben.

Steht dein Nomadenleben im Zusammenhang mit deinen Yoga-Erfahrungen?

Das hat sich auch so ergeben. Ich bin schon immer sehr naturverbunden und der Wunsch , näher mit der Natur zu leben, wurde immer stärker. Mittlerweile halte ich es in Wohnungen kaum noch aus.

Eine Frau Ende 30 klopft an den Wohnwagen. Sie ist eine der etwa 50 Yogis, die auf dem Festival Workshops anbieten. Während des Interviews pflanzt sie Blumen auf dem Feld.

Was bedeutet Yoga für dich?

Es ist eine Lebensphilosophie. Nicht nur die körperliche Praxis, sondern auch die geistige Haltung ist entscheidend. Nicht nur wie du mit deinem Körper umgehst, sondern wie du mit dir selbst und anderen Menschen umgehst. Yoga ist ein Weg, der dich in die Erleuchtung führt. Erleuchtung bedeutet die Freiheit von Leid, um glücklich und frei zu sein. Unabhängig davon, ob ich in einem Wohnwagen oder in einer Villa wohne.

Wie viele Stunden widmest du der Praxis am Tag?

Ich habe früher intensiv körperlich praktiziert, sehr fordernde Stile. Mittlerweile mache ich mehr Meditation und Pranayama (Atemübungen) oder Räuchere. Es ist nicht wichtig, wie lange man praktiziert, sondern dass man sich jeden Tag Zeit nimmt, um seine Aufmerksamkeit nach Innen zu lenken, bevor man wieder den äußeren Einflüssen ausgesetzt ist und abgelenkt wird.

Wie kamst du dazu, ein Festival zu machen?

Ich arbeite seit zehn Jahren bei der "Klangtherapie" (Techno-Festival auf dem selben Acker) mit. Vor drei Jahren hat mich das Buch einer amerikanischen Yoga-Lehrerin begleitet (Ana Forrest). In einem Kapitel beschreibt sie ein indianisches Ritual die "Todesmeditation". Dabei stellst du dir vor, dass du stirbst. Das hilft dabei, eine Lebensaufgabe zu finden. Zwei Tage später kam die Idee mit dem Yoga-Festival hoch: Der Name, wann es ist, wer kommt. Der Text dazu für die Homepage. Alles an einem Tag.

Ich habe vorher schon meinen Job gekündigt nachdem ich über das Ritual "Die Wahrheit sprechen" gelesen habe. Das bedeutet, ungefiltert aus dem Herzen zu sprechen. Danach bin ich zu meinem Chef und habe gesagt, dass ich den Job nicht mehr machen kann. Ohne dass ich jetzt einen Plan B gehabt hätte für mein Leben. Manchmal muss man glaube ich erst eine Tür schließen, bevor die nächste aufgehen kann.

Wie entscheidest du, welche Lehrer zu dir aufs Festival kommen?

Durch meine spirituelle Praxis spüre ich, wer etwas teilen kann. Ich rufe quasi die Spirits herbei, die das zu einem schönen Fest machen. Ich verschicke auch alle Tickets noch mit der Hand, um mich mit jedem Gast zu verbinden. Und die Tickets gehen von Hamburg bis nach Freiburg, Österreich, Berlin, überall hin.

Kommen nur Yoga-Profis, oder was für Leute besuchen das Festival?

Es sind Yogis dabei, aber auch viele, die reinschnuppern und sich einen Überblick verschaffen wollen über die vielen Spielarten von Yoga. Und es zieht auch viele Freidenker und Hippies an, weil es ein Camping-Festival unter freiem Himmel ist.

Yoga boomt. Was unterscheidet das "Spirit of Nature" von anderen Yoga-Treffen?

Viele sind sehr teuer. Es gibt Yoga-Retreats in 5-Sterne-Hotels mit Spas oder in Schlössern. Das ist teilweise sehr elitär geworden. Deswegen mache ich eineVeranstaltung, die noch bezahlbar ist. Damit jeder Mal die Möglichkeit hat, in Yoga abzutauchen, verschiedene Stile auszuprobieren und die spirituelle Gemeinschaft zu erleben.

Wir bieten auch nur fleischlose Speisen an. Das hat mit Ahimsa zu tun, das ist eine Grundregel im Yoga, die Gewaltlosigkeit bedeutet. Alles ist komplett Bio und Regional. Wir versuchen hier, den Menschen einen besseren Umgang mit der Welt vorzuleben. Das ist das, woran wir glauben.

Wenn die Leute aus unterschiedlichen Gegenden kommen und sich Amateure und Profis mischen, entsteht dann überhaupt eine Gemeinschaft?

Auf jeden Fall! Ich leite auch eine Eröffnungs- und eine Schluss-Zeremonie, um alle einzustimmen. Es ist mit der größte Mehrwert, den das Festival hat: Dass du eine Gemeinschaft findest, dass du auf Gleichgesinnte triffst. Denn jeder sehnt sich nach Gemeinschaft, und das kommt in unserer heutigen Gesellschaft oft zu kurz. Wir werden wie so ein kleiner Indianerstamm, der sich zusammen organisiert und füreinander da ist. Es gibt sogar schon das erste Baby, das entstanden ist, weil sich Leute hier kennengelernt haben. Das freut mich unheimlich, dass man etwas schafft, wo sich die Menschen verbinden, vernetzen, vielleicht sogar verlieben und ... ja ... vermehren (lacht).

 

Pressemitteilung vom 16.04.2015

 

 

Veranstalterin und Yoga Lehrerin Simone Hänel

Spirit of Nature Yoga Festival vom 5. bis 7. Juni 2015

 

Anfang Juni findet in der Nähe von Hollfeld erstmals das Spirit of Nature als erstes Yoga Festival der fränkischen Schweiz statt. Alle Yogis sowie Yoga-Interessierte sind herzlich zu einem energetischen Austausch unter freiem Himmel eingeladen.

 

Mitmachen kann jeder, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Yogaerfahrung. Das Festival bietet eine einmalige Chance, abseits der Städte und Ballungszentren in wunderschöner Natur verschiedene Yogastile auszuprobieren. Mehr als ein Dutzend erfahrene Yogalehrer aus der Region geben dabei Ihr Wissen im Rahmen von Yogastunden und Workshops weiter. Mit dabei sind u.a. Christian Seiler, Nina Priewasser und Tamara Süß.


Yoga bedeutet übersetzt verbinden. Genau darum geht es der 29-jährigen Veranstalterin und Yoga Lehrerin Simone Hänel aus Bamberg beim Spirit of Nature Festival: „Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder in Verbindung kommen: mit der Natur, indem wir das ganze Wochenende draußen verbringen; mit sich selbst, durch Yoga und Körperarbeit; und mit den Menschen um sie herum, indem wir am Lagerfeuer in Gemeinschaft zusammenkommen.“


Die Highlights beim Spirit of Nature Festival reichen dabei von dynamischen Yogastunden im Stil von Vinyasa Flow und Ashtanga Yoga bis hin zu Meditation und sanftem Yin Yoga, das wegen seiner Wirkung auf die tiefliegenden Faszien gerade in aller Munde ist. Spielerisch wird es beim Acro Yoga, einer Kombination aus Akrobatik und Partneryoga, wobei man auf seinem Partner „fliegen“ kann. Noch höher in die Lüfte geht es beim Aerial Yoga: mit Hilfe eines großen Tuches, welches in den Bäumen hängt, übt man Yoga in der Luft, wodurch ein Gefühl von Schwerelosigkeit entsteht. Erdung erfährt man hingegen bei den Thai und Ayurveda Massage Workshops, bei denen man nicht nur empfängt, sondern mithilfe einfacher Techniken auch lernt, Massagen zu geben.  


Abends wird sich am Lagerfeuer getroffen zum gemeinsamen Austausch und Singen. Wer noch bewegungsfreudig ist, darf sich kräftig austanzen zu elektronischer Musik von Deep House bis Goa. Übernachtet wird auf dem malerischen Campingplatz oder in nahe gelegenen Unterkünften. Fürs leibliche Wohl gibt es reichlich Tee, Obst sowie vegetarisches und veganes Essen. Für Kinder wird ein eigenes Programm auf die Beine gestellt, das neben Yoga für Kinder und Jugendliche auch verschiedene Spiele enthält.


Das ganze Festival-Wochenende kostet im Vorverkauf 75 Euro bzw. 60 Euro für Menschen in besonderen Lebenslagen sowie Schüler und Studenten. Tickets sind ab sofort online und in ausgewählten Yogastudios erhältlich. Im Preis ist die Teilnahme an allen Workshops sowie Camping und Parken enthalten. Für Kinder bis 14 Jahren ist der Eintritt frei.


Alle Infos und Tickets gibt es unter www.spirit-of-nature-festival.de